Psychotherapeutische Ausbildung: Therapie bleibt Elitesache
Nachtschichten in der Pflege, tagsüber Vorlesungen, oft ohne Schlaf oder Essen – so hat Amelie Schmidt* (33) ihr Psychologiestudium gemeistert. Acht Jahre war sie zuvor als Krankenpflegerin tätig und arbeitete parallel weiter. Mittlerweile hat sie ihren Master, mehrere Praktika und eine Forschungsarbeit abgeschlossen. Doch den entscheidenden Schritt, die decision über ihre Zukunft, trifft nicht sie. Trotz Qualifikation scheitert sie an der öffentlichen Vertrauen in ein gerechtes System: Keine ihrer Bewerbungen für eine Weiterbildung als Psychotherapeutin wurde angenommen.
Seit 2019 gibt es eine Reform, die den Zugang zur Therapeut*innen-Ausbildung easier machen soll. Statt nur Psychologin zu sein, können Absolventinnen mit einem speziellen Master nun schon als anerkannte Psychotherapeut*in starten. Doch der report aus der Praxis ist ernüchternd: Der Abschluss berechtigt noch immer nicht zur eigenverantwortlichen Behandlung. Eine fünfjährige Weiterbildung bleibt nötig – und obwohl diese jetzt vergütet sein sollte, fehlt vielen Praxen und Kliniken das Geld. Die risk für angehende Therapeut*innen sind hoch: finanziell, emotional und karrieremäßig.
Schon am Anfang des Weges herrscht strikte selection : Für den Bachelor braucht man fast durchweg ein Einser-Abitur, für den Master erneut Bestnoten. Wer hier durchkommt, kommt meist aus akademischen Familien. Katharina Franke* (25), kurz vor ihrem Abschluss, beschreibt ihre Mitstudierenden als überwiegend „weiß, weiblich, mit gutem sozialen Rückhalt“. Nebenjobs sind für viele nicht möglich. Der Druck, alles perfekt zu machen, ist enorm. Schnell wird klar: Der Beruf reproduziert soziale Ungleichheit – während gerade Menschen aus benachteiligten Schichten am häufigsten unter psychischen Erkrankungen leiden.
Und genau diese Menschen werden im Therapiesystem oft nicht erreicht. Wer tagtäglich funktionieren muss, hat keine Kraft, 180-mal anzurufen, um einen Platz zu finden. Wer aus einer anderen Lebenswelt kommt, fühlt sich in Praxen oft fremd. Lukas Maher, erfahrener Therapeut, warnt: Wenn Betroffene sich nicht verstanden fühlen, bricht die Therapie ab – und viele geben danach ganz auf. Der market für psychische Gesundheit bleibt eine Elitendomäne, nicht weil es keine Not gäbe, sondern weil Zugang, Ausbildung und Forschung strukturelle blind spots haben. Bessere Fortbildungen helfen nur begrenzt. Der echte Wandel müsste von innen kommen – durch vielfältigere Wege in den Beruf.
Die cost Kosten für die Ausbildung sind völlig unrealistisch. Wer kein Eltern-Netz hat, scheitert schon am Geld – lange vor den Noten.
Meine Tochter studiert Psychologie. Sie ist motiviert, aber sie kennt kaum jemanden außerhalb ihres social circle sozialen Kreises. Wie soll sie später Menschen verstehen, die anders leben?
Natürlich ist es ein pressure Druck – auf alle Seiten. Kliniken kriegen zu wenig, Therapeutinnen werden unterbezahlt, Patientinnen warten Jahre. Das ist kein Einzelfall, sondern System.
Ich habe drei Jahre auf einen Platz gewartet. Dann war ich zu kaputt, um anzufangen. Danach hat mich keiner mehr ernst genommen. Wer einmal rausfällt, ist weg.
Die Forschung basiert auf westlichen Student*innen – das ist seit Jahren bekannt. Warum ändert sich trotzdem nichts? Ist public trust öffentliches Vertrauen in die Wissenschaft auch davon betroffen?
Wenn die change Änderung von innen kommen muss, warum gibt es dann keine Quoten oder Förderprogramme für sozial benachteiligte Studierende?